Bochum-Engelsburg, ehem. St. Barbara-Kirche, Teilgeläut der Glocken 1+2
Irgendwann hat wohl jeder regelmäßige Nutzer der deutschen Bahn auf dem Weg von Essen nach Bochum an der Hauptstrecke den Turm der St. Barbara-Kirche als Landmarke auf dem Nachhauseweg wahrgenommen. Dieser Blick wird nun Geschichte sein, denn die Kirche wird im Frühjahr 2019 abgerissen.
Die Bergarbeitersiedlung Bochum-Engelsburg, zugehörig zur gleichnamigen Zeche, seit ca. 1735 zunächst als Stollenzeche in Betrieb, wurde erst nach dem Krieg als modernes Viertel bis 1956 errichtet. Der erwartete, weitere Bevölkerungszuwachs blieb nach Schließung der Zeche 1961 aus, die Bewohnerzahl ging sogar wieder zurück.
1958-59 wurde nach Plänen des Architekten Karl Hellrung die neue St. Barbara-Kirche für Engelsburg erbaut und als erste Kirche des 1959 neu gegründeten Ruhrbistums Essen geweiht. Als moderner, leichter Betonbau errichtet, zeigten sich bereits früh erhebliche Bauschäden, welchen man durch eine Komplettverkleidung in zweifarbigem Eternit Herr werden wollte. Hierbei wurde die einst völlig offene Glockenstube des Turmes skulpturähnlich umgestaltet und der ehem. Chorraum durch eine Wand abgetrennt, die Kirche somit verkleinert. Im Zuge der ersten, großen Umstrukturierungen im Bistum Essen rund um das Jahr 2008 wurde die ehem. Rektoratspfarrei aufgelöst, die Gemeinde der Pfarrei Höntrop zugeschlagen und St. Barbara im Status einer sog. „weiteren Kirche“ nicht mehr durch Kirchensteuermittel finanziert. Es bildete sich ein fleißig arbeitender Kirchbauverein, der den Betrieb der Kirche unerwartet lange aufrechterhalten konnte. Der Verein löste sich, wie im unten verlinkten Zeitungsartikel beschrieben, 2017 auf. Zu Beginn des Jahres 2019 begannen die Abrissarbeiten. In einem weiteren Artikel der Zeitung WAZ, Link siehe ebenfalls unten, wird über den eher fragwürdigen Umgang mit dem Geläut von St. Barbara berichtet.
Zur Erinnerung an St. Barbara möchte ich eine Tonaufnahme der beiden großen Glocken sowie einige Fotos aus eigenem Bestand beisteuern. Die im Sommer 2008 mit einem Minidisc-Recorder angefertigte Aufnahme kann bereits nicht mehr das Vollgeläut zu Gehör bringen, da die kleine Glocke zu der Zeit schon seit langem aus statischen Gründen stillgelegt war. Die Gemeinde und alle anderen Interessierten werden das Geläut also sowieso im hier dargestellten Zustand kennen.
Einen beispielhaften Umgang mit einem nicht mehr benötigten Geläut zeigten die Verantwortlichen am ehem. ev. Gemeindezentrum in Bochum-Hamme. Die beiden großen Glocken des damaligen Geläutes vom Bochumer Verein wurden durch eine Fachfirma für gebrauchte Glocken nach Ghana vermittelt – hierzu siehe die Verlinkung zu einem Bericht unten. Die kleinste Glocke wurde in vorbildlicher Weise als Denkmal mitten im neuen Wohnpark „Alte Kirche“ aufgestellt, und hält so wenigstens fragmentarisch die Erinnerung an Kirche und Geläut wach. Die letzten 3 Fotos im Film zeigen die dortige Situation. Mögen sich bei der zu erwartenden hohen Zahl künftiger Kirchenschließungen viele Gemeinden zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrem „Erbgut“ entschließen können!
Geläutedaten:
1. fis‘, 1180 mm, 657 kg
2. a‘, 1080 mm, 547 kg
3. cis‘‘, 804 mm, 270 kg (läutet nicht mit!)
Alle Glocken 1961 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation, Glocke 1 in der normalen Versuchrippe 7, Glocke 2 in der schweren Durrippe, Glocke 3 in der schweren Versuchsrippe 7 gegossen.
Genutzte Quellen/Literatur:
Zeitungsartikel der WAZ zum Abriss der Barbarakirche:
Bericht über den Verbleib der Glocken aus Bochum-Hamme auf der Seite der Firma Glockenbörse GbR – Gebrauchte Glocken und Zubehör:
Christel Darmstadt (Hrsg.): Sakrale Baukunst in Bochum, Verlag Schürmann + Klagges, Bochum, 2003, S. 56
Glockenkatalog des Bistums Essen (Vorläufer zum Glockenbuch), bearbeitet von S. Schritt, Trier, ohne Jahreszahl
S. Schritt: Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation Bochum (BVG) 1851-1970, Glocken und Geläute, Vorläufiges Gesamtverzeichnis für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland, Eigendruck, Trier, 2000, mit fortlaufender Ergänzung.